Der Anzug, nur was für die Elite? A Brief History of the Suit.

Der Anzug, nur was für die Elite? A Brief History of the Suit.

Wenn du durch die derzeitigen Modekataloge blätterst und dich mit aktuellen Trends beschäftigt, dann fällt dir bestimmt auf: Das haben wir doch alles schon einmal gesehen. Aktuell sind es besonders Modetrends aus den 60er bis 80er Jahren, die wieder unsere Zeitungen und Schaufenster schmücken. Verrückt! Und da dachten wir, die alte Kleidung wäre nicht mehr zu gebrauchen. Von Schlaghosen, über Gürteltaschen, Neon Farben, bis hin zu Plastikschmuck und Schmucklayering ist alles wieder dabei. Ja, ein bisschen abgewandelt ist die Kleidung schon und sie läuft jetzt unter der Rubrik “Retro-Fashion”. 


Trotzdem ist eines immer gleich geblieben: Der Anzug. Zumindest war er nie unmodisch oder nicht mehr “im Trend”. Wie wir wissen, wird der zeitlose Klassiker selbst heute noch zu vielen Anlässen getragen, bei denen etwas anderes nicht einmal angebracht wäre. Ob zu Hochzeiten, Abibällen, schicken Dates etc. Was wir uns gefragt haben: Wie kommt das? Und ist der Anzug nicht auch im Laufe der Zeit durch einen Wandel  gegangen? 


Seinen Anfang hatte der Anzug im 17. und 18. Jahrhundert. Genauer gesagt zu dem Zeitalter des Barocks und Rokoko in Frankreich. Diese Epoche ist in der Mode durch bunte, schillernde Farben und extravagante Designs gekennzeichnet. So sah der Anzug auch erst aus: Prunkvolle Gewänder, pompöse Westen, Hemden mit weiten Ärmeln kombiniert zu ausgestellten Hosen mit Kniebund, den sogenannten Culotten. Zweck dieser Herrenbekleidung galt vorwiegend als Statussymbol, um die Machtstellung und den Reichtum des einflussreichen Adels widerzuspiegeln. 


Der Anzug, sehr ähnlich zu dem, wie wir ihn heute kennen, stammt aus England gegen Ende des 18. Jahrhunderts und war vorerst nur gebräuchlich in der Sportgarderobe des englischen Landadels. Durch den enger anliegenden Schnitt, angepasst auf die V-Silhouette des Mannes eignete er sich gut als Reitkostüm und wurde bei Jagdaktivitäten und Pferderennen eingesetzt. Er galt damals als eine Art Uniform, womit sich auch der Begriff “Anzug” erklären lässt - ein als Einheit getragenes Kleidungsstück. 


Mitte des 18. Jahrhunderts setzte durch die Industrielle- und Französische Revolution ein Wandel ein. Durch den industriellen Fortschritt in England war eine praktische und bequeme Bekleidung notwendig. Der Anzug war nicht länger nur noch für den Sport bestimmt, sondern wurde auch immer mehr vom arbeitenden Volk getragen. 

Ähnliches passierte auch in Frankreich: Durch die Französische Revolution gegen Ende des 18. Jahrhunderts und dem damit verbundenen Sturz der Monarchie schaffte das Bürgertum die vorgegebene Kleiderordnung ab und der Adel musste sich den praktischen Bedürfnissen des Volkes anpassen. Von da an war also Schluss mit pompösen Hosen und Westen. Die Farben wurden schlichter, und Weste und Jackett wurden mit langen, schmalen Röhrenhosen getragen. 


Vielleicht habt ihr ja schon einmal davon gehört: Der Dandy-Style. Der schottische Historiker Thomas Carlyle äußerte sich dazu: „Der Dandy kleidet sich nicht, um zu leben, sondern er lebt, um sich zu kleiden“ 

Der “Dandyismus” kam als eine Art modische Revolution Mitte des 18. bis Anfang des 19. Jahrhundert aus England hervor. Ziel der Engländer war es, sich modisch von den Franzosen zu unterscheiden. Der Anzug sollte die Bekleidung eines perfekt gestylten Gentlemans werden und war charakterisiert durch ein tailliertes Sakko, einem schmalem Bein, kombiniert mit einem Slim-Fit Hemd, mit Einstecktüchern, Krawatten oder Fliegen.

Der eigentliche Urheber dieses Stils, Beau Brummell, standardisierte also das Kostüm, designte den Anzug neu und elegant, um ihn auch für Salonbesuche geeignet zu machen. 


Ihr merkt schon: Das kommt dem heutigen Anzug sehr nahe, und das schon zu Anfang des 19. Jahrhunderts! 

Interessant also, an der Geschichte des Anzugs ist, dass sich der Stil tatsächlich ständig entwickelt hat, aber bestimmte Dinge immer beibehalten wurden. Beispielsweise die Aufteilung der einzelnen Kleidungsstücke, die erst gemeinsam kombiniert den Look komplett machen.  


Außerdem fällt bei einem Blick in die Vergangenheit auf: Der Anzug ist, wie kein anderes Kleidungsstück, durch die lange Geschichte gesellschaftlich und symbolisch enorm aufgeladen.  Erst der Adel, der die pompösen Anzüge trägt, um seine Macht zu demonstrieren. Dann der hart arbeitende Mann, der bequem und schlicht gekleidet seinen Fokus auf das Geschäft richten kann. Zuletzt der perfekt gestylte Gentleman, der sich nur elegant und seriös zeigen lässt. 


Genau da kommen wir ins Spiel: Wir wollen den Anzug durch unser Design - bequem, stretchy, einfach und zeitlos - von seinem “hohen Ross” stoßen und ihn zu dem Kleidungsstück machen, was er eigentlich sein könnte: Ein Kleidungsstück für jedermensch, jeden Tag und jede Situation.